In diesem Buch findet man die Beiträge des ersten internationalen Coaching-Forschungskongresses 2010 "Coaching meets research" im deutschsprachigen Raum (Soloturn, Schweiz). Herausgeber Robert Wegener war auch Leiter dieses Kongresses. Laut Klappentext bilden die Beiträge den notwendigen Dialog zwischen Forschung und Praxis zur gemeinsamen Weiterentwicklung von Coaching. Folgerichtig wendet sich das Buch an Studierende und Dozierende coachingnaher Wissenschaftsdisziplinen wie an Vertreter aus der Praxis.
"Coaching entwickeln" gliedert sich in drei Teile: "Perspektiven der Forschung", "Aktuelle Ansätze und Projekte" und "Ein Blick zurück und in die Zukunft". Eingerahmt sind diese von einer sehr leserfreundlichen strukturierenden Anmoderation und einer abschließenden thematisch sortierten Zusammenfassung der Herausgeber.
Teil 1 enttäuscht leider mit einigen theoretisch abstrakten Darstellungen. Wer mit der Praxis in Dialog treten möchte, sollte bitte auch deren Sprache sprechen. Die folgenden Teile dagegen bieten lesbar für beide Zielgruppen spannende Ansätze und interessante Studien.
Teil 1: Positiv fallen die Artikel von Frau Fietze zu Chancen und Risiken und von Herrn Greif zu den wichtigsten Erkenntnissen der Coaching Forschung auf. Frau Fietze begründet sehr überzeugend, warum wissenschaftliche Forschung eine unverzichtbare Rolle für Professionalisierung von Coaching spielt. Auch der Beitrag zur Funktion von Theorie enthält interessante Punkte, ist insgesamt aber etwas ausufernd. Elaine Cox bietet unter anderem mit Grounded Theory einen interessanten Ansatz, Coaching zu bewerten. Leider fehlt es an konkreten Beispielen für den theorieunkundigen Praktiker, um Sinn und Zweck der Methoden nachvollziehen zu können. Inwieweit der Beitrag von Herrn Garvey zur Entwicklung von Coaching für Praktiker von Nutzen ist, bleibt offen.
Teil 2: Zugleich wissenschaftlich fundiert und praxisorientiert überzeugen Bernhard Grimmer und Marius Neukom mit ihrem Beitrag "Coaching oder Psychotherapie", in dem sie sich mit dem Grenzverlauf zwischen beiden Disziplinen befassen.
Die spannende Studie von H. Künzlie: "Inkongruenz als Ergebnisindikator von Coaching" befasst sich mit Anlass und Wirkung von Coaching. Ursache eines Coachingbedarfs sei laut Künzlie immer der Wunsch nach verbesserter Selbststeuerung.
H. Geisslers interessanter Ansatz zu virtuellem Transfercoaching verheißt eine signifikante Steigerung der mageren Training-Transferquote von durchschnittlich 10 bis 15 Prozent. Die abschließenden aufschlussreichen Beiträge zu Tendenzen der Coaching-Praxis weltweit, in der Schweiz und im deutschsprachigen Raum liefern unter anderem Zahlen zu Coaching Anlässen in Unternehmen, Anforderungen an Coaches oder Effektivität von Coaching.
Teil 3: Hier findet der Leser zunächst die Auswertung einer Befragung unter den Kongressteilnehmern zum Nutzen dieser Veranstaltung. Die anschließende Zusammenfassung aller Beiträge unter verschiedenen Leitthemen hilft ungemein, sich die gewonnenen Erkenntnisse nochmals in ihrer Bedeutung für die Praxis vor Augen zu führen.
Insgesamt bietet das Buch für Wissenschaft und Praxis gleichermaßen interessante Beiträge. Der Nutzen könnte bei einigen Beiträgen noch gesteigert werden, wenn Praktiker sie mittels entsprechender Beispiele auch nachvollziehen könnten. Die Bedeutung von lebenslangem Lernen und damit von Coaching hat David B. Drake mit meinem Lieblingszitat aus diesem Buch wunderbar auf den Punkt gebracht: "In times of great change the learners will inherit the earth, while those attached to old certainties will find themselves beautifully equipped to deal with a world, that no longer exists".
(MWonline zur Verfügung gestellt von Melanie Cordini) |
(Melanie Cordini 21.12.2011) |
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