Irgendwie ist Coaching immer "das erste Mal", zumindest aus Sicht eines Coaches. Jeder Klient ist anders, jedes Thema deshalb neu anzugehen. Die Autorin Michaela Stelzer beschreibt es treffend mit "Coaching ist immer ergebnisOFFEN". Überraschend sind ihre Erfahrungen mit dem Coaching, das sie als Outplacement-Coach sammeln durfte. Von Rentier-Heilpraktikern wird berichtet oder auch von einem Babycoaching.
In diesem wunderbaren Lese-Buch kommen alle Seiten zum Erzählen. Coaches berichten über ihre wundersamen Erfahrungen mit dem Coaching, beschreiben Beispiele aus ihrer Praxis. Manche sind Proficoaches, andere coachen als Führungskräfte oder Personalverantwortliche. Immer wieder geht es darum festzustellen, wie wichtig die Haltung eines Coaches ist. Nicht als Expertenberater aufzutreten, sondern den Prozess der Entwicklung des "Kunden" zu gestalten - und sich dann eben auch überraschen zu lassen. Dass es dazu nicht immer einen durchgestylten Raum braucht, erzählt Angelika Herod, die mit ihrem Coach einen ausgedehnten Spaziergang unternahm, der sie auf die Lösung ihres Anliegens brachte. In diesem Fall handelte es sich um eine Projektgestaltung. Überhaupt ist es spannend, auch einmal die Coachees zu Wort kommen zu lassen und aus deren Sicht die Wirkfaktoren von Coaching zu erfahren. Dabei wird man nicht alles unmittelbar übertragen dürfen. Peter Schmieder beispielsweise, er eröffnet das Buch, mit seinem sehr subjektiven Bericht über den Weg zu (s)einem ersten Mal als Coachee. Es gestaltete sich für ihn ausgesprochen schwierig aus den Hochglanzauftritten der Coaching-Profis den für sich passenden zu filtern. Schließlich landete er bei einem, der nicht einmal seinen Namen am Klingelschild einer Wohnung hat, die atmosphärisch, aber nicht persönlich mit Klavier und Couch eingerichtet ist. Von einem Freund zur Verfügung gestellt, wie professionell?! Aber für Schmieder scheinbar genau richtig, ebenso wie der Coach, der in (s)einem Sessel "lümmelt" und unangestrengt über seine Coaching-Philosophie spricht: wie eine Hebamme, Vertrauen stiftend, immer am anderen interessiert, aber letztlich nur begleitend.
So entwickeln sich über die Geschichten der Menschen aus unterschiedlichen Bereichen Einblicke in das Coaching, die von den beiden Autoren, oder sind es eigentlich eher Herausgeber, zwischendrin systematisiert werden. Damit wird "Mein erstes Mal" zu einer wertvollen Coachinglektüre für Personen, die mehr über diese phantastische Methode erfahren wollen.
Als Coaches und Coachausbilder haben Bartels und Wundsam natürlich eine zugrunde liegende Definition für ihr Coaching. Danach steht der Coachee voll und ganz im Mittelpunkt der Arbeit, er erhält vollste Wertschätzung durch den Coach und arbeitet selbstverantwortlich an seinen eigenen Lösungen. So weit die positiven Beschreibungen. Darüber hinaus geschieht die Definition von Coaching über Abgrenzung. Ein Coach hat sich in jedem Fall eines eigenen Ratschlages zu enthalten. Coaching ist ebenso nicht Supervision oder Psychotherapie wie ein One-Night-Stand nicht als Ehe bezeichnet werden kann. Coaching ist auch kein Navigationsgerät und welche Metaphern dafür noch zu verwenden sind.
Coaching ist lösungsorientiert und dazu ist es wichtig, erst einmal ein Ziel zu beschreiben. Und manchmal ist es dann eben so, dass kein Ziel zu haben auch ein Ziel sein kann. Dann wird man überlegen müssen, mit welchen Ressourcen das Problem ausgehalten werden kann.
Coaching benötigt Auftragsklärung, wer einfach so drauf loscoacht, zum Beispiel unter Freunden und Bekannten, braucht sich nicht zu wundern, wenn die plötzlich wegziehen. Neben der wichtigen Theorie wieder einmal ein sehr subjektiver Erfahrungsbericht eines Neucoaches, Thomas Weiß, der wegen fehlender (erklärter) Aufträge jeden coachte, für den er das für wichtig hielt. Seine Erkenntnis: "Mach’s mit - Auftragsklärung schützt!"
Wem ich dieses Buch empfehlen würde? Jedem Interessenten, der mehr darüber erfahren will, was Coaching eigentlich ist und was es zu (be-)wirken in der Lage ist. Katja Hautzinger schreibt über "Magie und Zauberei" im Coaching, die es natürlich nicht gibt, aber wie magisch und zauberhaft Coaching dennoch sein kann. Außerdem ist es ein schönes Geschenk für Coaches. Die oft humorvollen Formulierungen machen einfach Spaß zu lesen.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Dirk Hirsekorn, www.freiraeume-coaching.de)
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