Das Buch gliedert sich in 7 Kapitel: Burnout verstehen, Einstellungen und Denken, Widerstandfähigkeit und Arbeitsorganisation, Burnout-Stopp: Fangen Sie bei sich an, Energiesparprogramme, Bewältigungsstrategien, Ihr Beruf ändert sich - verändern Sie sich. Dazu einige berufspolitische Anmerkungen, Praxisbeispiele, Selbsttests, erläuternde Zeichnungen, ein Stichwortverzeichnis und mehr als 70 Literaturhinweise - die rund 150 Seiten des Buches sind wahrlich prall gefüllt.
Erster Leseeindruck:
Sehr schwer zu lesen - was allerdings nicht den Inhalt betrifft, sondern die Aufmachung. Ein "Büchlein", in seinen Abmessungen so etwa einem Smartphone vergleichbar. Passt zwar gut in jede Sakkotasche ohne diese auszubeulen, die sehr kleine Schrift machte dem Rezensenten beim Lesen hingegen echt Stress! Da sollte der Verlag mal in sich gehen und sich fragen, ob er mit dem Buchformat nicht im krassen Widerspruch zum Anliegen des Buches steht.
Der Inhalt:
German Quernheim erläutert zunächst den Begriff des Burnout, charakteristische Merkmale und die vielfältigen Ursachen dieser Erkrankung: ein zu hohes oder zu niedriges Selbstwertgefühl, ein Zuviel an Selbstlosigkeit, Idealismus oder Perfektionismus, das Unvermögen, NEIN sagen zu können oder der Druck, den Menschen in so genannten "Sandwich-Positionen" erleben.
Der Autor geht dann über in die Spezifika von Gesundheitsberufen und widmet sich den Stressoren am Arbeitsplatz (u.a. Führungsmängel, Mobbing, Defizite in den organisatorischen Arbeitsabläufen, Machtspiele, Zeitmangel, zu wenig Anerkennung und Erfolge). Wobei die dargelegten Stressoren durchaus auch in jedweden anderen Branchen beheimatet sein dürften.
Nach einem Selbstcheck (Bin ich gefährdet?) bekommt die geneigte Leserschaft erste Tipps zur Burnout-Behandlung (gesund Essen, Achtsamkeit, Prioritätensetzung, Lösen von Konflikten u.v.m.).
Das Kapitel "Einstellungen und Denken" beinhaltet die Möglichkeiten jedes Einzelnen, durch die Veränderung der inneren Haltung eine persönliche Entlastung zu erleben. Etwa indem wir uns Klarheit darüber verschaffen, welche Situationen durch uns nicht veränderbar sind, in welchen Situationen wir uns unangemessen stark ärgern oder dass bestimmte Dinge schlicht unvermeidlich sind. Z.B., dass Wochenend- und Schichtarbeit für eine Pflegekraft, die ja diesen Beruf frei gewählt hat, einfach dazugehören.
Der Autor bringt hier mehrfach das Wort "Selbstverantwortung" ins Spiel, was u.a. bedeutet, dass wir für die Art und Weise unseres Umgangs mit Stressoren selbst verantwortlich sind - und beispielsweise unsere Freizeit oftmals viel zu voll packen mit Aktivitäten oder beim Treff mit Freunden ständig über die Arbeit reden (und klagen).
Auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber den berufliches Stressoren kann laut Autor spürbar erhöht werden: Beginnend bei der Bewusstmachung, dass der Beruf sinnstiftend ist, dass er soziale Kontakte ermöglicht und durch die gemachten Erfahrungen die persönliche Weiterentwicklung fördert über Yoga, Meditation und Traumreisen als Entspannungsmöglichkeiten bis hin zu der Empfehlung, die Aufenthaltsräume durch Blumen, Accessoires und Bilder angenehm zu gestalten oder die Arbeitspausen nicht in den Arbeitsräumen zu verbringen.
Im Kapitel 4 (Burnout-Stopp) geht es u.a. darum, die eigenen Stressmuster zu erkennen, persönliche Ziele zu formulieren, Problemlösungen zu finden oder das eigene Zeitmanagement zu verbessern. Ideen des Autors für einen Burnout-Stopp sind bspw. auch, das eigene Wohlbefinden zu steigern (z.B. Massagen, Sauna, Vollbad) oder das sich Umgeben mit angenehmen Menschen.
Eine Pausengestaltung, die echte Regeneration ermöglicht, eine Ernährung, die dem Körper keine heftige Verdauungsarbeit abverlangt oder das Stoppen der alltäglichen medialen Reizüberflutung sind weitere Möglichkeiten der Burnout-Prophylaxe.
Das Kapitel 6 befasst sich mit Bewältigungsstrategien. Hier werden manche Aspekte aus den vorherigen Kapiteln nochmals kurz angerissen (z.B. die Bewusstmachung der Sinnhaftigkeit der beruflichen Tätigkeit), jedoch geht es dem Autor hier eher um die Entlastung durch bewusstes professionelles Handeln. Dazu zählt er u.a. die Konfliktkompetenz, die Klarheit über das eigene Selbstwertgefühl, das Wissen um die individuelle Fachkompetenz oder die Mitgliedschaft in Berufsverbänden. Ebenso empfiehlt er Intervision und Supervision und vielfältige Formen der Entlastung durch interne soziale Unterstützung - so z.B. den gezielten Einsatz von Anerkennung, Lob und Kritik.
Auch Vorgesetzte bekommen viele Ideen mit auf den Weg, wie sie ihre Unterstellten entlasten könnten (und sollten): Von der Bildungsbedarfsanalyse über Mitarbeiter-Entwicklungsgespräche bis zu einen kooperativen Leitungsstil. Von einer strukturiert-durchdachten Dienstplangestaltung über das Vorhandensein eines Krisenplanes (z.B. bei Personalengpässen aufgrund hohen Krankenstandes) bis zu einem betrieblichen Gesundheitsmanagement.
Im letzten Kapitel schärft der Autor seinen Leserinnen und Lesern nochmals ein, wie wichtig eine professionelle Trennung von Beruf und Privatleben ist. Hierfür können z.B. Rituale bei Dienstende hilfreich sein, ebenso wie das Akzeptieren der eigenen Belastungsgrenzen oder verschiedene Techniken der (sachlichen, psychischen, sozialen, physikalischen) Distanzierung.
Fazit:
Ein Buch, welches zwar für Mitarbeitende im Gesundheitswesen geschrieben wurde, aber (von den Fallbeispielen vielleicht mal abgesehen) durchaus für Mitarbeitende und Führungskräfte beinahe aller Branchen von Nutzen sein sollte. Denn die allgemeine Arbeitsbelastung wird künftig wohl nicht weniger werden, dafür die Arbeitnehmer - Stichwort Demografie - immer älter.
Umso dringlicher ist es sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber, sich der Thematik der beruflichen Belastungen, der Stressoren und Burnoutgefahren zuzuwenden. Hierfür ist das vorliegende Buch ein gelungener Beitrag.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Detlef Schmidt)
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